Welche Unterstützung passt zu meinem Problem?
Wer im eigenen Business an einem Punkt nicht weiterkommt, weiß oft ziemlich genau, dass Unterstützung guttun würde. Schwieriger ist die Frage, welche.
Vielleicht kommen zu wenige Anfragen. Eine wichtige Entscheidung bleibt seit Wochen offen. Ein Mitarbeitergespräch wird immer wieder verschoben. Die Positionierung fühlt sich nicht mehr richtig an. Oder eine Strategie steht längst, wird aber trotzdem nicht konsequent umgesetzt.
Für all diese Situationen gibt es Unterstützung. Unternehmensberater, Business Coaches und Mentaltrainer arbeiten mit Selbstständigen, Unternehmern und Führungskräften. Auf den ersten Blick klingen manche Angebote ähnlich. In der Praxis setzen sie jedoch an unterschiedlichen Stellen an.
Vielleicht fehlt dir tatsächlich Wissen oder eine Strategie. Vielleicht hast du bereits viele Informationen, weißt aber trotzdem nicht, welcher Weg für dich der richtige ist. Oder du hast eine Entscheidung eigentlich getroffen und kommst trotzdem nicht in die Umsetzung.
Deshalb hilft bei der Auswahl zunächst weniger die Berufsbezeichnung als eine andere Frage:
Was fehlt mir gerade tatsächlich?
Genau daran lässt sich häufig besser erkennen, welche Form der Unterstützung sinnvoll ist.
Wenn Wissen allein nicht weiterhilft: Mentaltraining
Nicht jede Schwierigkeit im Business entsteht dadurch, dass Wissen fehlt.
Man kann sehr viel über sein Unternehmen, seine Kunden und seine Möglichkeiten wissen und trotzdem nicht klar sehen, welcher Schritt der richtige ist. Man kann mehrere Möglichkeiten immer wieder durchdenken, Entscheidungen treffen und kurz darauf erneut infrage stellen. Oder ziemlich genau wissen, was zu tun wäre, und diesen Schritt trotzdem über Wochen verschieben.
Auch Druck verändert, wie wir denken und handeln. Nach einem schlechten Monat erscheint eine Entscheidung plötzlich riskanter als vorher. Nach einer Absage entstehen Zweifel an einem Angebot, das wenige Tage zuvor noch richtig erschien. Ein schwieriges Gespräch wird immer wieder vorbereitet und trotzdem nicht geführt.
An solchen Punkten bringt zusätzliches Fachwissen nicht automatisch mehr Klarheit.
Mentaltraining beschäftigt sich damit, wie Gedanken, Bewertungen, Gewohnheiten und innere Reaktionen Entscheidungen und Handlungen beeinflussen. Es kann dabei helfen, das eigene Denken und Verhalten in solchen Situationen besser zu erkennen und einen bewussteren Umgang damit zu trainieren.
Dabei geht es nicht darum, eine unternehmerische Entscheidung fachlich zu beurteilen. Ein Mentaltrainer entscheidet nicht, ob deine Preise richtig kalkuliert sind, welche Vertriebsstrategie die beste ist oder wie dein Unternehmen organisiert werden sollte.
Der Ansatzpunkt liegt vielmehr bei der Frage:
Was passiert bei dir, während du versuchst, eine Entscheidung zu treffen, sie umzusetzen und anschließend auch bei ihr zu bleiben?
Das kann bereits bei der Entscheidungsfindung beginnen. Wer genügend Informationen hat und trotzdem ständig neue Szenarien durchspielt, sich absichert oder aus Angst vor einer falschen Entscheidung gar keine trifft, hat nicht zwangsläufig ein Wissensproblem.
Genauso kann die Schwierigkeit erst später sichtbar werden. Die Entscheidung ist getroffen, doch die Umsetzung wird immer wieder verschoben. Oder beim ersten Widerstand werden Zweifel so groß, dass die ursprüngliche Entscheidung wieder verworfen wird.
Mentaltraining setzt damit nicht am fachlichen Inhalt einer unternehmerischen Entscheidung an, sondern daran, wie ein Mensch mit seinen Gedanken, Unsicherheiten, Entscheidungen und Handlungen umgeht.
Wenn fachliches Wissen oder eine konkrete Lösung fehlt: Unternehmensberatung
Manchmal liegt die Schwierigkeit tatsächlich auf der Sachebene.
Die Kundenakquise bringt zu wenige Anfragen, die Kalkulation geht nicht auf, interne Abläufe funktionieren nicht oder es fehlt eine tragfähige Strategie für die weitere Entwicklung des Unternehmens.
In solchen Fällen kann Unternehmensberatung die passende Unterstützung sein.
Ein Unternehmensberater bringt fachliche Expertise ein, analysiert die Ausgangssituation und entwickelt auf dieser Basis mögliche Lösungen und Handlungsempfehlungen.
Für Selbstständige kann das sehr konkret aussehen. Jemand analysiert die Zahlen, überprüft Prozesse, entwickelt eine Vertriebsstrategie oder unterstützt bei wirtschaftlichen und organisatorischen Fragestellungen.
Der wesentliche Punkt ist:
Es wird Expertise von außen gebraucht, weil auf der Sachebene Wissen, Erfahrung oder eine konkrete Lösung fehlt.
Das lässt sich beispielsweise an einer Preiserhöhung gut unterscheiden. Wer nicht weiß, wie hoch seine Preise sein müssen, damit sie wirtschaftlich funktionieren, braucht möglicherweise fachliche Unterstützung bei Kalkulation und Preisstrategie.
Wer die Kalkulation bereits gemacht hat und trotzdem seit Monaten davor zurückschreckt, die neuen Preise tatsächlich zu verlangen, steht möglicherweise vor einer anderen Schwierigkeit.
Es kann deshalb passieren, dass nach einer Unternehmensberatung fachlich ziemlich klar ist, was zu tun wäre, und trotzdem nichts passiert. Dann liegt die nächste Hürde möglicherweise nicht mehr auf der Sachebene.
Wenn du deine Situation reflektieren und eigene Lösungen entwickeln möchtest: Business Coaching
Business Coaching setzt wiederum anders an.
Ein Coach liefert üblicherweise nicht die fertige fachliche Lösung, sondern begleitet dabei, eine Situation zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und eigene Antworten oder Lösungswege zu entwickeln.
Das kann beispielsweise hilfreich sein, wenn eine Führungskraft ihre Rolle klären möchte, ein Unternehmer zwischen mehreren Möglichkeiten abwägt oder eine Selbstständige ihre nächsten Schritte sortieren möchte.
Dabei stehen häufig Fragen, Reflexion und der Blick von außen im Mittelpunkt.
Gerade an dieser Stelle können sich Business Coaching und Mentaltraining in der Praxis überschneiden. Eine schwierige Entscheidung kann beispielsweise sowohl reflektiert werden als auch mit Gedanken, Bewertungen, Unsicherheit oder eingeübten Verhaltensmustern zusammenhängen.
Die Grenzen zwischen Coaching, Beratung und Mentaltraining sind deshalb nicht in jeder Situation klar voneinander zu trennen. Hinzu kommt, dass Anbieter unterschiedliche Methoden kombinieren und verschiedene berufliche Erfahrungen mitbringen.
Deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl nicht ausschließlich auf die Berufsbezeichnung zu achten, sondern darauf, wie die Person tatsächlich arbeitet und wo sie mit ihrer Arbeit ansetzt.
Wenn es im eigenen Unternehmen nicht weitergeht, beginnt die Suche nach der Ursache häufig bei der Strategie. Die Anfragen gehen zurück, die Umsätze entwickeln sich nicht wie erwartet oder ein Angebot funktioniert nicht mehr so gut wie früher. Also wird analysiert, verändert und nach einer neuen Lösung gesucht. Die Website wird überarbeitet, das Marketing neu gedacht, am Angebot gefeilt oder überlegt, wie wieder mehr Kunden gewonnen werden können.
Das kann genau die richtige Reaktion sein. Es kann aber auch am eigentlichen Problem vorbeigehen.
Denn Stillstand im Business entsteht nicht immer an derselben Stelle. Manchmal fehlt tatsächlich eine fachliche Lösung. Manchmal sind genügend Informationen und mögliche Wege vorhanden, aber eine Entscheidung bleibt aus. Und manchmal wurde längst entschieden, doch der entscheidende Schritt wird immer wieder verschoben.
Von außen kann all das gleich aussehen: Die Entwicklung des Unternehmens stockt. Für die Lösung macht es jedoch einen erheblichen Unterschied, an welcher Stelle es tatsächlich hängt.
Manchmal liegt das Problem auf mehreren Ebenen
Die drei Bereiche schließen einander nicht aus.
Ein Unternehmen kann eine neue Vertriebsstrategie benötigen und gleichzeitig einen Unternehmer haben, der die notwendigen Schritte seit Monaten vor sich herschiebt.
Eine Führungskraft kann fachliche Unterstützung bei einer neuen Organisationsstruktur brauchen und gleichzeitig Schwierigkeiten damit haben, ein notwendiges Mitarbeitergespräch zu führen.
Oder eine Selbstständige hat genügend Wissen und verschiedene Möglichkeiten vor sich, kommt aber zu keiner Entscheidung, weil jede Variante immer wieder neue Zweifel auslöst.
Dann können unterschiedliche Formen der Unterstützung an unterschiedlichen Stellen sinnvoll sein.
Auch die Reihenfolge kann variieren. Manchmal zeigt sich erst durch eine fachliche Analyse, dass genügend Wissen vorhanden ist und die eigentliche Schwierigkeit an einer anderen Stelle liegt. In einem anderen Fall wird während eines Coachings oder Mentaltrainings deutlich, dass zunächst fachliche Expertise benötigt wird.
Entscheidend ist deshalb nicht, jede Schwierigkeit möglichst schnell als Strategieproblem, Coachingthema oder Mindsetproblem zu bezeichnen.
Entscheidend ist herauszufinden, wo es tatsächlich hängt.
Nicht nur die Methode entscheidet, auch die Person dahinter
Zusätzlich zur Art der Unterstützung kann bei der Auswahl relevant sein, welchen beruflichen Hintergrund jemand mitbringt.
Ein Mentaltrainer muss beispielsweise nicht automatisch selbst Unternehmer gewesen sein. Ebenso bringt nicht jeder Business Coach dieselbe berufliche oder unternehmerische Erfahrung mit. Ausbildung, beruflicher Hintergrund, Branchenkenntnis und praktische Erfahrung können sich deutlich unterscheiden.
Gerade bei unternehmerischen Themen kann es deshalb sinnvoll sein, darauf zu achten, ob die Person den Kontext kennt, in dem die eigenen Fragen entstehen.
Mitarbeiter führen, Preise verändern, Kunden verlieren, mit Umsatzschwankungen umgehen oder Entscheidungen unter wirtschaftlichem Druck treffen zu müssen, sind Situationen, bei denen praktische Erfahrung zusätzlich relevant sein kann.
Das bedeutet nicht, dass jemand dieselbe Laufbahn oder dieselbe Branche kennen muss. Entscheidend ist vielmehr, welche fachliche und praktische Erfahrung für das eigene Anliegen relevant ist und wie diese in die jeweilige Arbeitsweise einfließt.
Welche Unterstützung brauche ich also?
Für eine erste Orientierung kann eine einfache Unterscheidung helfen.
Wenn dir fachliches Wissen fehlt und du Expertise, Analyse oder eine konkrete Lösung für dein Unternehmen brauchst, kann Unternehmensberatung sinnvoll sein.
Wenn du deine Situation reflektieren, unterschiedliche Perspektiven betrachten und eigene Lösungen entwickeln möchtest, kann Business Coaching passen.
Wenn du dagegen feststellst, dass Wissen allein dein Problem nicht löst, du trotz vieler Informationen keine Klarheit findest, Entscheidungen immer wieder infrage stellst, wichtige Schritte aufschiebst oder unter Druck anders handelst, als du eigentlich möchtest, kann Mentaltraining ein passender Ansatz sein.
Und manchmal lässt sich diese Frage nicht vor dem ersten Gespräch eindeutig beantworten.
Eine seriöse Ansprechperson sollte deshalb nicht nur erklären können, wobei sie unterstützt. Sie sollte ebenso erkennen können, wann ein Anliegen außerhalb des eigenen Arbeitsbereichs liegt und eine andere Form der Unterstützung sinnvoller ist.
Genau dafür sind Erstgespräche eine gute Möglichkeit. In einem ersten Austausch lässt sich meist schnell klären, worum es tatsächlich geht, welche Art von Unterstützung sinnvoll sein kann und ob die Arbeitsweise zum eigenen Anliegen passt.
So muss man nicht bereits vorab die richtige Berufsbezeichnung kennen oder sein Problem perfekt einordnen können. Entscheidend ist zunächst, das eigene Thema so konkret wie möglich zu schildern und gemeinsam zu prüfen, wo die passende Unterstützung ansetzt.
Wenn Wissen allein nicht weiterhilft
In meiner 1:1-Mindset-Begleitung arbeite ich mit Selbstständigen und Unternehmern genau an dieser Schnittstelle: beim Denken, Entscheiden und tatsächlichen Umsetzen.
Über die Autorin
Elke Novak
Mentaltraining für Unternehmer:innen. In der 1:1-Begleitung arbeiten wir an genau den Stellen, an denen du bisher aus der Umsetzung ausgestiegen bist.

